Tierli-Hof

von Pfund Beat-Andreas

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Wie alles begann:

Am 26. Februar 1974 erhielt ich von meinem Vater zu meinem 7. Geburtstag, eine Zwergziege (Verena) mit Zwillingen (Karin und Stine). Die Mutter war dreifarbig gescheckt, die eine Tochter schwarz-weiss-gescheckt mit schwarzem Herz auf dem Rücken in weissem Bauchband und die andere dreifarbig-gescheckt, jedoch hell/falb. Ein grosser Wunsch erfüllte sich.

Im selben Jahr holte mein Vater und ich einen schwarzen Bock in der Nachbar-Gemeinde St. Stephan.
Dieser Bock war als Feriengast vom Sommer bis in den Herbst 1974 bei mir, um meine drei Ziegen zu decken. Im Herbst 1974 lieferten wir diesen Bock wieder zu seinem Besitzer zurück.

Ach wie war meine Mutter glücklich darüber, da sie wegen diesem Bock von uns Kindern viel Wäsche zu waschen hatte, wegen seinem extremen Geruch. Kein Bock wie dieser, stinkte so stark wie dieser Sascha.

Die Ziege Verena wurde trächtig, jedoch nicht ihre beiden Töchter. Diese waren wohl damals noch etwas zu jung. Leider war mein Vater mit diesen Zwergziegen nicht so glücklich. Nicht weil die beiden Jung-Ziegen nicht trächtig wurden, sondern weil er dachte, eine Mutterziege die trächtig sei, wäre genug für mich, da es ja wieder Junge geben würde.
So war es an einem Winterabend als mein Vater von einem Schafzuchtkollegen besucht wurde, und dazumal offenbar das Gespräch stattfand, ob mein Vater ihm die Zwillingsschwestern für seinen Sohn vielleicht verkaufen könnte. Dies tat mein Vater dann auch, weil er dachte, der Sohn seines Schafzuchtkollegen sei ein Einzelkind und diesem würde sicherlich diese beiden Ziegen viel Abwechslung und Freude bereiten.

Als ich am Morgen in den Stall ging, um meine Ziegen zu füttern, waren diese zwei weg. Ich konnte die Welt nicht mehr verstehen und war zutiefst verletzt, da mein Vater doch genau wusste, wie sehr ich diese Ziegen liebte. Er tröstete mich mit den Worten, wir können die Ziegen jederzeit besuchen gehen. Dies war für mich kein Trost. Ich erinnere mich noch genau, wie ich diese Familie, die die Ziegen gekauft hatte, verachtete.



Ich brachte meinen Vater soweit, dass er mit mir zwei andere Zwergziegen kaufen ging. Es waren wiederum Zwillingsschwestern. Diese holten wir in Reichenbach im Kandertal. Doch mit diesen erlebten wir so einiges! 

Sie waren wild und sprangen über 1.50 m hoch. Natürlich sprangen die zwei Ziegen auch in Mutters Gemüsegarten.

Ich konnte sie kaum in einer Einzäunung halten, und dennoch wollte ich diese beiden Ziegen nicht verkaufen. Oftmals hatte mein Vater mit mir gesprochen, ob ich Verena nicht verkaufen möchte. Er wurde von einem Bauern angefragt, ob er ihm vielleicht eine Ziege als Stallgefährtin verkaufen könnte. Auf jeden Fall verkaufte mein Vater damals die Mutterziege Verena.



Im folgenden Jahr kaufte ich in Weissenbach noch eine schwarze Zwergziege mit Zwillingstöchtern, die eine schwarz und die andere beige. Grosi, so der Name der Mutter, war zu der Zeit schon sehr alt. Sie erlag infolge Altersbeschwerden im selben Jahr. Zu dieser Zeit verkaufte ich die Zwillingsschwestern, die ich unmöglich einzäunen konnte, an eine Frau in unserem Dorf. Sie besass einen grossen Hühnerhof, in diesem sie die Ziegen gehalten hatte. Dort kamen die Ziegen dann nicht mehr über den Zaun in der Höhe von 2 m.



Eines Tages vernahm ich, dass Verena verstorben sei. Ich dachte mir immer wieder, wäre sie von meinem Vater nicht verkauft worden, sondern bei mir geblieben, würde sie vielleicht noch leben. Dies war jedoch nur die Vorstellung von einem 8-jährigen.

Nachträglich musste ich vernehmen, dass der Bauer die Tiere nicht ordentlich gefüttert hatte, und dass viele seiner Tiere nicht gesund waren. Verena hatte dort auch eine Frühgeburt.



1976 kaufte ich noch weitere Zwergziegen und einen Bock. Es war eine Trächtige schwarze mit silbernem Mund und silbernen Ohren, eine Weisse mit creme-farbiger Schattierung am Hals, ihrer Mutter, weiss mit schwarzem Hals und eine beige-braune Ziege. Der Bock war dreifarbig-gescheckt.



Von nun an gab es Nachwuchs im Ziegenstall und mein Vater bekam allmählich auch einwenig Freude an meiner Zwergziegenzucht. Obwohl er als Schafzüchter lieber Schafe als Ziegen im Stall gesehen hätte. In den folgenden Jahren kamen auch noch andere Ziegen zu meiner Zucht hinzu, trotz das ich einige Jungtiere zur Zucht nachgezogen hatte.

Mit den Jahren züchtete ich nur noch kleine Zwergziegen. Das heisst, die Zuchtwahl erfolgte nur noch auf kleinwüchsigen Ziegen und Böcken. Mit der Zeit gelang es mir auch einige Minis in meiner Zucht zu besitzen. Fränzi, eine Miniziege wies ein Stockmass von gerade mal 30 cm auf. Sie war nach Sophie die zweitälteste Ziege die ich hatte. Leider verstarb sie im Herbst 1998. Mit ihr zu züchten war nicht unbedingt einfach. Die erste Geburt erfolgte durch Kaiserschnitt. Die anderen vielen Geburten, erfolgten auf normalem Geburtsweg. Das eigenartige an dieser Ziege war, abwechselnd hatte sie eine Lebendgeburt, danach wieder eine Totgeburt. Hatte sie Zwillinge, kam das Eine lebend und das Andere tot zur Welt.
Lange Zeit hatte ich noch Blutsverwandte von Fränzi in meiner Zuchtherde.



Mein grösster Ziegen-Bestand war 34 Zuchttiere ohne Jungen, inkl. einer Langhaar-Zwergziege, die ich jedoch nur kurze Zeit hatte, da ich den Gefallen an ihr verlor.

Während meiner ersten Schuljahre, ging ich mit den Zwergziegen spazieren und hütete diese wie der "Geissenpeter" auf einer Voralp. Stundenlang konnte ich den Ziegen beim Fressen zusehen. Später als ich wegen der Schule weniger Zeit hatte, um meine Ziegen auszuführen, erstellten mein Vater und ich eine grosse Sömmerungsweide. Dieses nannte ich von da an das "Geissweidli". Viele meiner Kindheits- und Jungendstunden verbrachte ich dort oben im Geissweidli. Vom Frühjahr bis in den Spätherbst verweilten meine Ziegen dort oben in der freien Natur. Natürlich war und ist dort auch heute ein Stall, der in den Sommermonaten immer offen ist, wo die Ziegen übernachten oder bei Regen oder Schnee Unterschlupf finden können.

Im Geissweidli ist eine Naturquelle. Diese muss ich jedoch jeden Frühling von Erde und Schlamm befreien, damit die Ziegen dort frisches Wasser trinken können.



Meine Erlebnisse während der ersten 25 Jahren:

Die älteste Ziege, die ich von Geburt an in meinem Stall hatte, war die Sophie, die fast 18 Jahre alt wurde. Mit dieser hatte ich besonders viel Freude, da ich keine von den vielen Ziegen so lange im Zwerg-Ziegenstall geniessen konnte.



Mit ca. 9 Jahren bekam sie auf einmal keinen Nachwuchs mehr. Ich dachte mir damals, gut die Zeiten sind wohl vorbei und von ihr gibt es keine Zieglein mehr. Ich wollte sie dennoch behalten und ihr das Abend-Brot bieten. Plötzlich, nach über zwei Jahren, die Überraschung! Drillinge, Drillinge und noch mal Drillinge! Vor ihrer Pause bekam sie immer Zwillinge und nach ihrer Fruchtbarkeitspause auf einmal sieben Geburten und alles immer Drillinge.



Besonders gefreut hatte es mich damals, dass sie von vier Drillingsgeburten alles nur weisse zur Welt brachte. Da ich die weissen Zwergziegen schon immer sehr gerne in meinem Stall gesehen habe, war ich natürlich überglücklich. Kurz vor ihrem Tod bekam Sophie noch Zwillinge. Diese sollten jedoch die letzten gewesen sein. Nach der Absäugung der beiden Zwillingsböcklein, verstarb sie einige Wochen darauf. Grosse Trauer war natürlich bei mir. Immerhin war diese Ziege fast 18 Jahre meine Begleiterin. Ich konnte mich zum Glück anhand ihrer Nachkommen erfreuen, doch vergessen werde ich Sophie nie.



Eine ihrer Töchter, die ich ebenfalls zur Zucht nachgezogen habe, war der Sophie ziemlich ähnlich. Auch diese hatte eine grosse Fruchtbarkeit. Von ihr bekam ich Vierlinge, die der Fleck, so ihr Name, selbst und ohne zusätzliche Hilfe (Milchschoppen) aufgezogen hatte. Es war für mich nicht mehr etwas seltenes, wenn im Ziegenstall Drillinge geboren wurden. Da ich mindestens immer zwei Junge pro Saison für die Zucht nachgezogen hatte, war auch immer wieder eine die Drillinge bekam dabei.



In der Regel verpasste ich kaum eine Geburt, ausser ich hatte diese verschlafen oder musste zur Arbeit. Doch wenn ich bemerkt hatte, es könnte Nachwuchs geben, tätigte ich gerne Nachtschicht im Stall und konnte das Wunder der Geburt kaum versäumen.

Bei einigen Tieren war es auch gut so, dass ich anwesend gewesen war. So musste ich oftmals Geburtshelfer spielen. Sei es um in das Tier einzugreifen, wenn das Kitz nicht richtig lag oder wenn der Eingriff nicht möglich war, versuchte ich an der unteren Bauchwand der Ziege, ihr Junges anders zu lagern. Es benötigte viel Fingerspitzengefühl.

Auch kamen Geburten vor, nach denen die Jungen da waren, aber fast keine Kraft hatten, um zu atmen. Diesen half oftmals eine kalte Dusche mit anschliessender Massage. Junge Mütter die ihre Jungen nicht akzeptieren wollten, da hatte ich auch einige Rezepte.

Auch hatte ich Schwergeburten bei denen der Tierarzt zu Hilfe kam, bei denen die Mutter ihr Leben lassen musste und ich die Jungen mit der Flasche gross gezogen habe.

Auch um grosse Kämpfe in der Ziegengesellschaft zu vermeiden, sei es bei einem Neukauf eines Tieres, wusste ich mir zu helfen. Für Tiere, die lange Zeit nicht trächtig wurden, bekam ich von einer alten Bäuerin auch einige Tips.

Im Frühling 1994 trat ich in den Ziegen-Gesundheits-Dienst (heute BGK genannt) ein, wo ich immer noch als Mitglied bin und bleiben werde.

Meine Hoffnung besteht auf eine Herdebuch-Kontrolle, somit wäre eine ordentliche Zwergziegenzucht viel übersichtlicher. Wildzüchter würden somit hoffentlich verschwinden, da diese sich Züchter nennen, jedoch lieber vielleicht aus finanziellen Gründen vermehren statt zu züchten.

Mir persönlich ist die Bockwahl für die Zucht sehr wichtig. Ich achte bei einem Kauf von einem Bock immer darauf, ob er von seiner Grösse her auf meine Ziegen passt, um so Geburtsprobleme zu verhindern.

Heute ist es schwer bei einer so grossen Anzahl an Zwergziegenbeständen, noch geeignete Böcke zu finden, ohne das diese in irgendeiner Zuchtlinie mit den Ziegen verwandt sind. Schon deshalb ist mir ein Herdebuch sehr wichtig, um die Zuchttiere auf ihre Herkunft und die Verwandtschaft zu kontrollieren.



Vor geraumer Zeit kaufte ich von einem Züchter einen hornlosen Zwergziegenbock mit seiner ebenfalls hornlosen Mutter mit dem Glauben, hornlose Tiere in meiner Zucht einzubringen und zu züchten. Auch begann ich hornlose Tiere nachzuziehen, da ich mit Hörnern schlechte Erfahrungen gemacht hatte. So zum Beispiel hatte eine Ziege ihr Horn in die Bauchwand einer anderen gestossen, oder es gab Frühgeburten, weil sie von den Hörnern abgestochen wurden. Was auch schlimm war, wenn im Geissweidli eine Ziege wegen ihrer Hörner im Gitterzaun stecken blieb. Die Nachfrage für hornlose Zwergziegen war damals sehr gross.



Viele Eltern die Zwergziegen für ihre Kinder kaufen wollten, hatten grosse Angst, die Hörner könnten in ein Auge ihrer Kinder stossen. Dies natürlich versehentlich, da keine Zwergziege dies absichtlich tun würde.

Oftmals wurde ich von Zwergziegen-Besitzern gefragt, warum sie immer wieder eine böse Ziege im Stall hätten. Dies beantwortete ich wie andere Züchter mit Erfahrung, dass immer in einer Herde ein Leittier ist. Man könne von 100 Ziegen immer die "böse" Ziege verkaufen, bis zuletzt würde man nur noch eine Ziege im Stall halten.

Vor einigen Jahren habe ich begonnen für jede meiner Ziegen ein Zuchtblatt zu erstellen. Dies enthielt unter anderem: Geburtsdatum, Farbe des Tieres, Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern, ob Ein- oder Mehrling, Geburtenkontrolle, Identifikations-Nummer, Züchter und Eigentümer usw.

Dieses Blatt half mir für meine Zucht sehr viel, da es vieles enthielt was unter Umständen vergessen oder verloren gegangen werden könnte.

Ich hoffe doch sehr, dass andere Zwergziegenzüchter in irgendeiner Art und Weise meinem Beispiel für die Registrierung folgen werden.

Am 22. Februar 2000 trat ich dem VZZZH, Verein Zwerg-Ziegen-Züchter / Halter, bei und wurde zugleich Vize-Präsident. Doch trat ich wegen vielen Gründen dort am 07. Dezember 2001 wieder aus. Während dieser Zeit recherchierte ich über Ziegenkrankheiten und fasste diese Berichte zum Zwecke für Merkblätter ab. Auch wurde damals vielen bekannt, das es keine mini, kleinen, mittleren, grossen oder hornlosen Zwergziegen gibt.

Einigen ist auch bekannt, dass es sich um verschiedene Zwerg-Ziegen-Rassen geht, die auch von verschiedenen Kontinenten her stammen. Es ist somit völlig falsch, wenn behauptet wird, Zwerg-Ziege ist oder sei gleich Zwerg-Ziege!

In diesem Sinne, wünsche ich viel Glück im Stall!